Exkurs: GPS-Nomenklatur

Lässt man die zahlreichen Navigations- und Trainingsfunktionen einmal außer Acht, ist der Edge 705 im Wesentlichen ein GPS-Empfänger, der in der Lage ist,

  • den aktuellen Standort anhand der seiner geographischen Koordinaten zu bestimmen,
  • von diesem Standort ausgehend zurückgelegte Wege aufzuzeichnen und zu speichern und
  • diese Aufzeichnungen anschließend für verschiedene Zwecke verwendbar zu machen.

Die Aufzeichnung der zurückgelegten Wege erfolgt dabei – grob gesagt – durch die Aneinanderreihung von geographischen Koordinaten über eine bestimmte Zeitachse hinweg. Die Bezeichnung dieser Aufzeichnungen variiert übrigens in Abhängigkeit von Aufzeichnungsart und Einsatzzweck und führt daher anfangs oft zu extremer Verwirrung.

Verstärkt wird die Verwirrung dadurch, dass sich Garmin bei den Geräten der Edge-Serie dafür entschieden hat, statt dem international anerkannten und weit verbreiteten .gpx-Format einen für eigene Zwecke definierten Quasi-Standard zu nutzen. In diesem Zusammenhang weicht Garmin mehr oder minder stark von den üblichen Standardbezeichnungen ab.

Da die verschiedenen Aufzeichnungsarten bzw. ihre Bezeichnungen im Verlaufe dieses Blogs immer wieder auftauchen werden, möchte ich zunächst hoffentlich verständlich erläutern, wie sie zusammenhängen bzw. wie sie sich unterscheiden und wann sie in welcher Form beim Edge ins Spiel kommen. An dieser Stelle sei nochmals darauf verwiesen, dass das Verstehen der nun folgenden Ausführungen sehr wichtig ist – im Zweifel also besser zwei Mal lesen.😛

Die kleinste Einheit, die im Zusammenhang mit GPS auftritt, ist der Wegpunkt. Ein Wegpunkt ist faktisch nichts anderes als ein über seine geographischen Koordinaten, also Breite und Länge, eindeutig definierter Punkt irgendwo auf der Erde. Ergänzt werden diese zwei Parameter oft durch weitere Informationen, wie z. B. die Höhe oder Textinformationen (z. B. „Hotel am Schloss“ – durch diese wird ein Wegpunkt zum Point of Interest aufgewertet). Ein übliches Dateiformat zur Aufzeichnung von Wegpunkten ist das bereits erwähnte .gpx-Format. Schalten wir den Edge an, bestimmt dieser unsere aktuelle Position und verwendet sie zunächst in Form eines solchen Wegpunkts. Bewegen wir uns, erfasst der Edge die Position automatisch neu und ersetzt dabei den alten Wegpunkt.

Wegpunkte können im internen Speicher des Edge abgespeichert werden (Datei \ Garmin \ GPX \ current \ current.gpx) und über das Menü Zieleingabe / Suchen / Favoriten wieder aufgerufen werden. Einer der Wegpunkte, die bei fast jedem GPS-Gerät standardmäßig zum Abspeichern vorgesehen ist, ist die Heimatadresse. Diese ist im Edge unter Zieleingabe / Suchen / Favoriten / Nach HAUSE hinterlegt und wird beim ersten Aufrufen des Menüpunkts abgefragt. Weiterhin sind – je nach Kartenmaterial – zahlreiche, vorab definierte Wegpunkte als Points of Interest hinterlegt. Die POI sind unter Zieleingabe / Suchen nach Kategorien (z. B. Tankstelle oder Einkaufen) getrennt ausgewiesen und können direkt aufgerufen werden.

Drücken wir die Taste Start/Stop, beginnt der Edge, unsere Bewegungen aufzuzeichnen und im internen Speicher abzuspeichern, bis wir die Aufzeichnung durch erneutes Drücken der Taste beenden. Die Aufzeichnug erfolgt in diesem Fall als Track. Ein Track wiederum ist nicht anderes als die genaue Aneinanderreihung von Wegpunkten, die in regelmäßigen oder „intelligent“ vom GPS-Gerät selbst festgelegten Intervallen erfasst und gespeichert werden. Tracks werden normalerweise ebenfalls als .gpx abgespeichert. Hier tanzt der Edge allerdings das erste Mal aus der Reihe und verwendet stattdessen das eigene Format .tcx (Verzeichnis \ Garmin \ History). Warum man sich zu diesem Schritt entschlossen hat bzw. wieso er nötig überhaupt war, erkläre ich übrigens hier. Aufgezeichnete Tracks können über den Menüpunkt Protokolle angesehen und verwaltet bzw. über den Menüpunkt Zieleingabe / Protokoll folgen nachgefahren werden.

Weiterhin können aufgezeichnete Tracks im Garmin Training Center oder anderen Lösungen, die das .tcx-Format verstehen oder umwandeln können (z. B. GPSies), betrachtet und ausgewertet werden. Des Weiteren lassen sich auf Basis aufgezeichneter Tracks sogenannte Strecken (im Garmin-Jargon auch: Kurse) für Trainings erstellen, die später über Training / Strecken aufgerufen und abgefahren werden können. Der wesentliche Unterschied zwischen Tracks und Strecken besteht darin, dass ein Track während der Aufzeichnung definiert wird, während eine Strecke aus von vorneherein bekannten Daten besteht und durch diese (z. B. Höhenprofil) als Grundlage für die Trainingsplanung, -durchführung und -analyse (z. B. Ermittlung des Trainigsfortschritts nach x Wiederholungen der stets gleichen Strecke) herangezogen werden kann.

Neben Wegpunkten, Tracks und Strecken (bzw. Kursen) kennt der Edge 705 auch noch Routen. Routen sind nichts anderes als eine Liste von vorher festgelegten Wegpunkten, die der Reihe nach angefahren werden. In der Regel dürfte eine solche Liste von Wegpunkten aus dem Startpunkt, einem oder mehreren Zwischenzielen sowie dem Zielpunkt bestehen. Im Gegensatz zu Tracks und Strecken ist der Weg, der zwischen diesen Wegpunkten gewählt wird, vollkommen nebensächlich und daher nicht näher bestimmt. So wird die Zahl der Wegpunkte, die zur Erreichung des Ziels vorgehalten werden muss, extrem reduziert und stattdessen durch die Autorouting-Fähigkeiten des Edge 705 ersetzt.

Bei der Verwendung einer Route verhält sich der Edge also wie ein klassisches Navigationssystem, das wir z. B. aus dem Auto kennen: Wir teilen dem Gerät über Zieleingabe / Suchen mit, wo wir hinwollen (z. B. zu bestimmten Adressen, Kreuzungen oder auch einem Point of Interest), der beste Weg dorthin wird anschließend anhand der festgelegten Parameter (z. B. Fußgänger, Fahrrad oder Auto, bevorzugte Straßentypen) automatisch ermittelt und uns über Bildschirmanweisungen mitgeteilt. Weicht man von der automatisch ermittelten Routenführung ab, berechnet das Gerät sofort eine neue Route zum Ziel.

Welche praktischen Auswirkungen dieses Nebeneinander von Formaten mit sich bringt,  soll als nächstes erklärt werden. Außerdem möchte ich noch auf einige Fallstricke hinweisen.

  1. Robert
    7. Mai 2010 um 21:45

    Hallo Steffen!

    Ich bin begeistert von Deinem Blog!

    Was Du an Details hier beschreibst, weiss glaub ich nicht einmal Garmin von seinem Edge 705!

    Schade, dass Garmin so schwach bei ihren Bedienungsanleitungen ist!

    Zum Glueck gibt es so engagierte Menschen, wie Dich, die ihr Wissen gerne mit anderen Teilen!

    Danke und lg aus Graz!

  2. Fips- Bonn
    6. März 2010 um 12:52

    Hallo Steffen,
    ohne Deine tolle Anleitung und nur mit Hilfe einer mangelhaften Bedienungsanleitung hätte ich meine Edge in der Schublade liegen. Die Seite(n) sind sehr gut strukturiert langsam verstehe ich was alles mit dem Gerät möglich ist.
    Ein großes Kompliment und vielen Dank
    Fips

  3. Manfred
    19. Juni 2009 um 15:17

    Hallo!
    Ich muß sagen eine sehr gute Anleitung um mit dem EDGE zurecht zu kommen.
    Meine Frage an dich ist folgende: Ist es möglich die Farbe der Route auf der Karte zu ändern? denn die rosa Farbe kann ich kaum erkennen.

    • 21. Juni 2009 um 18:33

      Es mag möglich sein, diese Farbe anzupassen, indem man in den Konfigurationsdateien des Edge einzelne Parameter ändert. Ich rate von solchen Eingriffen in die Firmware bzw. die Konfiguration aber dringend ab und habe selber keinerlei Bestrebungen in diese Richtung. Im übrigen gehe ich davon aus, dass die Entwickler sich etwas dabei gedacht haben, als sie die Farbe wählten – vermutlich ist sie doch am besten zu sehen.

  4. Roland
    16. Juni 2009 um 22:32

    Hallo,

    Kompliment erst einmal, allein mit der Bedienungsanleitung von Garmin wäre man ja hoffnungslos verloren. Zwei Kritikpunkte allerdings: Einige Links auf der Seite führen nicht auf die gewünschte Seite (Fehlermeldung). Im Zusammenhang vom WegUpdater wird auf die „aktuelle“ Version 2.30 verwiesen, bei mir gibt’s schon 2.70, hier sollte mal dringend aktualisiert werden !

  5. David Groß
    15. November 2008 um 22:10

    Hallo Steffen,
    also nach einigem Probieren, habe ich es jetzt geschafft eine .gpx Datei einzulesen und abfahren zu können. Allerdings hat es mit einer .tcx nicht funktioniert.
    Wie es in diesem Blog geschrieben steht, dass man unter Zieleigabe| Protokoll folgen selbst gefahrene Trainings zum Vergleich erneut abzufahren funktioniert jedoch bei mir nicht. Hab noch zwei Protokolle drin, die Auswahl „Protokoll folgen“ gibt es bei mir nicht. Die zwei Strecken sind noch im Speicher.

  6. Steffen
    15. November 2008 um 15:40

    Ist alles in den einzelnen Artikeln beschrieben. Strecke = .tcx.

  7. David Groß
    15. November 2008 um 14:51

    Hallo Steffen, gratulier dir zu deiner großartigen Seite, die mir schon viel geholfen hat. Eines hab ich allerdings noch nicht ganz kapiert, muss ich jetzt, wenn ich eine Strecke hab, die ich abfahren will, in ein .tcx oder in .gpx Format umwandeln? Und wohin auf dem Edge soll das drauf? Einfach in den Gaminordner, oder dort wo auch meine eigenen Aufzeichnungen gespeichert werden?
    Danke schonmal!

  8. Steffen
    4. September 2008 um 16:20

    So weit ich weiß, ist die Aufzeichnung beim Edge 705 nur durch den internen Speicher begrenzt. 100 Wegpunkte sind jedenfalls albern, ich selbst habe schon Aufzeichnungen mit deutlich mehr Wegpunkten gemacht.

    Das GPS-Logging beim Edge lässt sich einstellen, allerdings ist der intelligente Aufzeichnungsmodus absolut ausreichend und funktioniert sehr verlässlich. Wer unbedingt manuelle Aufzeichnungsintervalle vorgeben will, kann dies aber dennoch tun, und zwar zeitabhängig.

  9. Taz
    4. September 2008 um 15:22

    Hi,
    mich verwirrt etwas die Tatsache, daß laut Produktbeschreibung das Edge 705 nur maximal 100 Wegpunkte speichern kann. Heißt das, daß bei einer Aufzeichnung in einen Track, dieser maximal 100 Koordinaten enthalten kann?
    Wenn funktioniert überhaupt das GPS logging im Edge 705? Gibt es da Einstellmöglichkeit, wie z.B. alle 10 Sekunden eine Aufzeichnung zu machen oder alle 50 Meter etc..

    Vielen Dank Taz

  1. 11. April 2010 um 19:32

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