Geo-Imaging

Wieso überhaupt Geo-Imaging – und wozu? Die Antwort ist ziemlich trivial: Der Siegeszug der digitalen Kameras führt zu einem inflationsartigen Anstieg der Anzahl von Fotos, die man macht. Schließlich ist man nicht mehr auf die Fotozahl begrenzende Filme angewiesen, sondern kann (in Abhängigkeit vom verfügbaren Speicherplatz) nahezu unbegrenzt und ohne Extrakosten verdammt viele Bilder machen. Zudem kann man sich – im Gegensatz zum analogen Zeitalter – seine Schnappschüsse direkt ansehen, statt warten zu müssen, bis das Fotolabor um die Ecke die Abzüge fertig hat.

Heute wird man die digital aufgenommenen Fotos, die man gerne behalten möchte, direkt auf der Kamera bzw. später am heimischen PC aussuchen, nachbearbeiten und anschließend entweder selber auf einem geeigneten Drucker ausdrucken (ich verwende diesen), digital entwickeln lassen (z. B. hier), online zur Verfügung stellen (z. B. hier) oder einfach auf Festplatte oder DVD archivieren. Das ist schon sehr komfortabel, da man mit geeigneten Programmen (z. B. diesem, das nahtlos mit Picasa Web-Alben zusammenarbeitet) das gesamte Bildmaterial katalogisieren, sortieren, verschlagworten und durchsuchen – also papierlos und komfortabel verwalten – kann.

Mit der Bilderflut geht allerdings das Problem einher, dass man oft schon nach ein paar Tagen nicht mehr weiß, wo man eigentliches welches Bild aufgenommen hat. Insbesondere nach Urlauben wird das zu einem echten Problem: War das nun der Strand von St. Tropez oder der von Nizza? Ist das Amphitheater von Arles auf dem Foto – oder doch das von Orange? Solche Fragen können nicht nur die Freude am Bild wesentlich schmälern, sondern im schlimmsten Falle zu lautstarken Auseinandersetzungen im Familienkreis führen. Und wer will das schon?

An sich ließe sich das geschilderte Problem mit Zettel und Papier einfach lösen: Man schreibt sich auf, an welchem Ort man an welchem Datum und zu welcher Uhrzeit man welches Motiv fotografiert hat. Das ist aber extrem zeitaufwändig, hemmt die Spontanität des Fotografen und wäre insgesamt ein Rückfall in das analoge Zeitalter, der der digitalen Fotografie und ihren Vorzügen nicht gerecht wird – und zum Glück auch nicht nötig ist.

Netterweise hat die Industrie nämlich bereits im Exif-Standard, also den Regeln, nach denen moderne Digitalkameras die Metadaten eines Fotos direkt in die Bilddatei (die entweder im weitgehend barrierefreien JPEG– oder im herstellerabhängigen Rohdatenformat der verwendeten Kamera vorliegt) schreiben, sowohl ein Feld für den Datums- / Zeitstempel als auch eines für die geographischen Koordinaten vorgesehen. Prinzipiell wäre es also ohne weiteres möglich, jedem Foto automatisch kameraseitig die Koordinaten, an denen es aufgenommen wurde, mitzugeben.

Praktisch scheitert diese einfache Lösung aber daran, dass es – zumindest nach meinem Kenntnisstand – keine ernstzunehmenden Digicams mit eingebautem GPS-Empfänger gibt. Allerdings haben einige Kamerahersteller Trend und Marktpotential erkannt und bieten externe Geräte, sogenannte GPS-Logger, als Kamerazubehör an – zum Beispiel Sony.

Im Prinzip machen diese Geräte nichts anderes, als regelmäßig (z. B. alle 15 Sekunden) die aktuellen Geokoordinaten zu erfassen und zu speichern. Später wird das so erstellt Track Log auf dem Computer den im gleichen Zeitraum aufgenommenen Fotos gegenübergestellt: Jedes Foto wird anhand des Datum- / Zeitstempels dem im entsprechenden Zeitraum aufgezeichneten Wegpunkt zugeordnet, abschließend werden die Koordinaten des Wegpunkts in die Metadaten der Bilddatei geschrieben – fertig.

Da der Edge 705 die Möglichkeit zum Aufzeichnen von Tracks von Haus aus mitbringt, kann man ihn aber ebensogut verwenden, d. h. die Anschaffung eines zusätzliches Geräts ist nicht nötig. Wie man das macht, möchte ich nun Schritt für Schritt erläutern – und natürlich auch, was man mit den mit Koordinaten versehenen Bildern so anstellen kann.

  1. 8. Juni 2009 um 16:12

    Zitat: „Praktisch scheitert diese einfache Lösung aber daran, dass es – zumindest nach meinem Kenntnisstand – keine ernstzunehmenden Digicams mit eingebautem GPS-Empfänger gibt.“
    Hallo, lieber Schreiberling🙂
    Seit einigen Tagen hab ich eine Nokia N79 mit ganz guter Digi-Cam UND integriertem GPS-Empfänger, da klappt das Geotagging der Bilder wirklich prima. Schau dir mal das N79 an…
    Gruß
    Roland
    P.S.: …und ein großes Kompliment für diese gelungene Site !!

    • 9. Juni 2009 um 21:18

      Lieber Roland – das ist ein Handy und keine ernstzunehmende Kamera. Oder würdest Du ernsthaft behaupten, dass ein Hollandrad ein Rennrad ist, nur weil es auch zwei Räder und ’ne Kette hat?😉 Mein iPhone hat ebenfalls eine Kamera und kann ebenfalls Geotags für Fotos vergeben, aber deswegen würde ich nicht so weit gehen, das als brauchbares Instrument für anspruchsvolle Fotografie zu bezeichnen. Wenn ich von Kameras spreche, meine ich Spiegelreflex.

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